Nachrichten
  • Forum HeimatUnternehmen 2017 in Bischofsheim/Rhön

    Mit Ideenreichtum und Gestaltungskraft prägen unternehmerische Menschen die ländlichen Räume Bayerns. Das Forum HeimatUnternehmen 2017 bot an zwei Tagen wieder eine Plattform, interessante Menschen und ihre Projekte kennenzulernen.

    • 07.10.2017
    • Unterfranken
Worum es bei HeimatUnternehmen geht, brachte Alfred Wolf in seinem Beitrag auf den Punkt:
"Ich setze auf die pfiffigen Menschen in der Region und auf ihre Fähigkeiten. Ich brauche nichts selbst zu erfinden, sondern "nur" die vielen Ideen der unternehmerischen Menschen in der Region zu
Projekten zusammenzufügen und gemeinsam mit ihnen zu entwickeln. Schritt für Schritt, mit den jeweils verfügbaren Mitteln. Diese Arbeitsweise erzeugt bei mir und den Mitstreitern die höchste Motivation.“
Alfred Wolf ist seit September 2017 der erste bayerische Projektkoordinator für HeimatUnternehmen in den beiden Integrierten Ländlichen Entwicklungen "Steinwald" und "Stiftland" im Landkreis Tirschenreuth,

Das Forum HeimatUnternehmen 2017 bot zum vierten Mal eine Plattform, interessante Menschen und ihre Projekte kennenzulernen. Nicht warten bis jemand etwas macht, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen, das ist der Grundgedanke von „HeimatUnternehmen“, das am 6. und 7. Oktober 2017 in der Tagungsstätte „Christliche Gästehäuser Hohe Rhön“ stattfand. Mit „etwas machen“ begann auch gleich das Forum: Susanne Hiby, eine junge Musikerin aus der Rhön, brachte mit ihrem „Lied von der Idee“ den ganzen Saal zum Singen und Klatschen.

Die Kreativität und der Gestaltungswille der unternehmerischen Menschen wurden zwei Tage förmlich spürbar. Wie zum Beispiel bei Christian Skrodzki aus Leutkirch. Dort hat er mittels einer Bürgergenossenschaft über eine Million Euro in den maroden Bahnhof investiert. Niemand habe ihm am Anfang geglaubt, dass er das Geld für die Renovierung des Bahnhofs zusammenbringe würde, so Skrodzki. Er habe jedoch bald nach dem Start des Projekts gemerkt, dass es nicht „sein“ Projekt bleiben dürfe. Sondern jeder Mensch habe seine ganz persönlichen Erinnerungen an den Ort, an dem Menschen sich verabschiedeten oder zusammenkämen. Diese emotionale Bindung trage letztendlich das Projekt. Auf die Bindung der Menschen zu ihrer Heimat, zur Region setzt Christian Skrodzki auch in seinem neuesten Projekt: der „Allgäuer Genussmanufaktur“: „Was trägt Dich mehr: 1000 € zusätzlich auf dem Konto zu haben oder für 1000 € ein Stück Heimat mit zu gestalten“, so seine Frage. Viele Menschen entscheiden sich gerne für die zweite Alternative, wenn sie ehrliches Mitmachangebot bekommen.

Dass ein HeimatUnternehmer ein Mensch ist, der an seinem Ziel festhält und in vielen kleinen Schritten, vielleicht mit Umwegen und auch mit Rückschlägen an der Erfüllung seiner Idee arbeitet, ließ Frau Schaller-Fromm von der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach die Zuhörer miterleben. Vor Jahren hatte sie den Gedanken, die Küche der Lebenshilfe mit rund 300 Essen pro Tag auf „bio“ umzustellen. Und das macht sie konsequent: „Wir sehen das nicht als Projekt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen ist. Das ganze Team ist sich bewusst, dass es ein anhaltender Prozess ist. Viele Ideen werden probeweise umgesetzt. Was sich davon in der Praxis bewährt, wird übernommen“

Im Zentrum von „HeimatUnternehmen“ stehen die Menschen. – Menschen wie Alfred Wolf, Christian Skrodzki oder Irmgard Schaller Fromm, die mit ihrem Wagemut und ihrem Ideenreichtum Neues schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung ihrer Gemeinde und Region leisten. Deshalb wird beim Forum HeimatUnternehmen nicht über die Menschen auf dem Land gesprochen und was diese tun sollten und müssten. Sondern in vielen weiteren Impulsvorträgen stellen sich aktive Menschen selbst vor, erzählen wovon sie begeistert sind, welche Projekte sie angehen und was sie damit in ihrer Region bewegen.

Michael Diestel und Felix Schmidl von der Agrokraft GmbH haben im Auftrag der Ländlichen Entwicklung über viele Monate vor der Veranstaltung ein erstes Netzwerk der Rhöner HeimatUnternehmer aufgebaut. „Wir haben hier Kreativität, Engagement und Begeisterung für neue Ideen erleben können. Die Menschen hier können gemeinsam entwickeln und sehen das Gewinnende. Die Rhön und das Grabfeld sind voller pfiffiger Leute“.
Und so war es dann auch: bereits am Freitagabend präsentierten sich mit dem „Pax-Bräu“ Andreas Seufert und Metzgermeister Andreas Ortlepp zwei Rhöner Unternehmer, denen die Herstellung ihrer ganz besonderen regionalen Produkte ein echtes Herzensanliegen ist. Dicht gedrängt berichteten dann am Samstag z.B. die Kreisimkerin und der Kreisobmann des Bauernverandes vom gemeinsamen Projekt „Blühstauden statt Biogas-Mais“, ein Bauunternehmer über seine Idee von energieneutralen Mehrgenerationenhäusen in den Dörfern, zwei Künstler von ihrem Atelierverbund, Landwirte von ihren Wegen „sich dem üblichen Wahnsinn“ zu entziehen, ein Event-Manager, eine Dorfladeninhaberin und ein Logistiker von ihrem Plan der „Container-Dorfläden“ für jedes Dorf oder eine Medienunternehmerin von ihrer neuen, unentgeltlich erstellten Seite „Meine Heimat Rhön“. – Ein ständiger Strom von Ideen, Unternehmungen, schöpferischen Diskussionen, die alle Teilnehmer in einen regelrechten „flow“ gebracht haben, wie es Alfred Wolf schließlich ausdrückte. „Dass sich Menschen als wirksam erleben können und dass es gemeinsam leichter geht, ist der Dreh- und Angelpunkt für Entwicklung. Meine Aufgabe als „supportive leader“ in der ILE Steinwald und in der ILE Stiftland ist es, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.“

Auch Vertreter aus Politik, Verbänden und Verwaltung betonten in großer Übereinstimmung, dass es Zeit für neue Ansätze in der Entwicklung des ländlichen Raums sei: Prof. Dr. Hubert Weiger, der Vorsitzende des BUND Naturschutz meinte: „Wir müssen die Zuschauertribüne verlassen und zu Akteuren des eigenen Lebens werden.“ Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, betrachtete es aus dem Blickwinkel der Heimat, die es mit den eigenen Mitteln zu gestalten gelte. In der Auffassung zu verharren „früher war alles besser“, bringe nicht weiter. Für Ministerialrat Leonhard Rill ist es die Aufgabe einer modernen Verwaltung, unternehmerische Menschen so zu unterstützen, dass diese ihre Potenziale zum Wohle der Allgemeinheit entfalten können. „Heimat-Unternehmer“ seien Motoren – für sich und die eigene Sache, aber zugleich für die Entwicklung einer Region.