Angelika Hubner

Wert-Stoff-Künstlerin

Die Designerin Geli Hubner in ihrem Atelier mit dem Modell eines Gobbelinmantels aus altem Polsterstoff

Angelika Hubner, Wert-Stoff-Künstlerin
© Kathi Rummel

Die Bezeichnung „Wertstoffhof“ mag die gelernte Kostümbildnerin und Designerin Angelika Hubner gerne. Eben weil es „Wert-Stoffe“ sind, die mit viel Energieaufwand produziert wurden und meist nach einmaligem Gebrauch auf dem Müll landen. In den letzten Jahren beschäftigte sie sich zunehmend mit Upcyclingkunst aus verschiedensten Materialien. Mit textilen Stoffen dagegen hat sie schon ihr ganzes Leben lang zu tun.

Angelika Hubner hat eine wahre Kunst daraus entwickelt, alten Stoffen und Dingen wieder ein neues Leben zu geben. Der Polsterstoff der Couch ihrer Eltern aus den 60-ern bekommt eine neue Bestimmung als Gobbelinmantel. Aus dem Vorhangstoff aus den 70-ern wird ein Kleid. Die alte Jeans bekommt ein neues Leben als langer Rock. Das Staniolpapier wird zur Goldkette, die Eislöffel zum Diadem, die Kaffeetüten zum Kleid.

Der quirligen Künstlerin ist es ein Anliegen, den Wert eines Gegenstandes zu zeigen – und einen wertigen Gegenstand schmeißt man nicht einfach in den Müll. „Fast fashion“ ist ihr sowohl aus handwerklich-professioneller Hinsicht als auch aus ethischen Gründen ein Graus: „Da wird Kleidung entworfen und mit allen bekannten Nebeneffekten billigst produziert, die bewusst nur für eine kurze Lebensdauer von ein paar Wochen gedacht ist – ein Unding!“

Und so wirkt sie also dagegen. Immer wieder organisiert sie „Modetauschevents“ für Frauen. Hier wird gute, gebrauchte Kleidung, Fehlkäufe etc. abgegeben. Ihre Helferinnen arbeiten auf Hochtouren, damit alle Stücke nach Größe und Kategorie einsortiert werden. Danach dürfen die Kundinnen nach Lust und Laune stöbern, probieren, beratschlagen, kombinieren, wieder verwerfen, um schließlich mit neuen Lieblingsstücken nach Hause zu gehen. Ein typischer Tauschevent, der vom Engagement und Begeisterung aller Beteiligten lebt und den Landkreis bereichert.

Auch gibt sie Nähkurse, in denen jemand ein geliebtes Stück umändern oder aufpeppen kann. Irgendetwas Besonderes muss es auf jeden Fall sein, dann nimmt sie auch Auftragsarbeiten entgegen. Das Ballkleid der Großmutter aus den 20-ern wieder tragfähig machen? Herzlich gerne. Aus dem alten Vorhang eine Tasche nähen? Auf jeden Fall, und sei es noch so viel Arbeit. Der typische Dirndlnähauftrag aus neuem Stoff? Nein, zu langweilig.

Der Ausbildung als Schneiderin in München folgte ein Diplom an der Meisterschule für Mode sowie ein Studium für Kostümbild - und Bühnenbild in Venedig. Stadttheater Landshut, Residenztheater München, New York, Berlin und Basel waren weitere Stationen ihres Schaffens. Nun wohnt sie seit vielen Jahren am Schliersee und war für verschiedenste Theaterproduktionen im Landkreis tätig. Bei einem Kostümfundus mit weit über 10000 Stücken aus allen Epochen und Stilen konnte sie jeweils aus dem Vollen schöpfen. Und wenn doch etwas fehlte, nähte und ergänzte sie selbst.

Für die Zukunft plant Angelika Hubner wieder ein Kunstprojekt: Die Chaos-Gala. Ein Event, in dem ihre verschiedenen Ansätze zusammenfließen. Modenschau, Theater, Liveperformance. Um die Wertigkeit und die unendlichen Facetten und Möglichkeiten von Kleidung zu zeigen, aber auch ein Aufruf, bewusst mit den Ressourcen umzugehen.

Kontakt:
Angelika Hubner
Kegelsteinweg 3
83727 Schliersee

Telefon: 08026/920511
Mobil: 0171/2047090
www.kostuem-schliersee.de

Regierungsbezirk: Oberbayern