Oberland Bioweiderind

Die Milch macht das Fleisch

Projektgruppe Oberland Bioweiderind
© Verwaltung für Ländliche Entwicklung

Der neue gegründete Verein Oberland Bioweiderind e.V. hat ein hehres Ziel: Kein Biokalb verlässt den Landkreis lebendig. Was sich makaber anhört, ist aber in Wirklichkeit gelebtes Tierwohl.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Unternehmer:innen aus Landwirtschaft und Gastronomie und engagierte Menschen aus dem Landkreis Miesbach zusammengetan. Bisherige Direktvermarktungsinitiativen wie Biokalb Oberland und Miesbacher Weidefleisch sind integriert, um gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen.

Das bayerische Oberland ist dafür bekannt, all das zu bieten, was das Leben besonders lebenswert macht: Herrliche Natur, hochwertige Lebensmittel und Kultur. Ein wesentlicher Bestandteil der bayerischen Kultur ist die Landwirtschaft, die im Landkreis Miesbach überwiegend aus Milchwirtschaft besteht. Die hohe Lage und das eher raue Klima sind seit vielen Generationen der Grund, dass es traditionellerweise vor allem Milchviehbetriebe und wenig Ackerland gibt.

35% Biobetriebe im Landkreis Miesbach

Damit ist der Bioanteil aller Milchviehbetriebe in Deutschland im Landkreis Miesbach am höchsten.

Das heißt, dass im Landkreis pro Jahr rund 5‘000 Biokälber auf die Welt kommen. Etwa 3‘000 davon werden nicht für die eigene Nachzucht gebraucht und deshalb über Märkte und Händler an Mastbetriebe außerhalb der Region verkauft, womit oft der Biostatus verloren geht. Im Alter von 4 Wochen werden diese Kälber nicht nur nach Norddeutschland, sondern auch nach Osteuropa oder Spanien, in Einzelfällen auch noch weiterverkauft. Tierwohl und Nachhaltigkeit bleiben dabei auf der Strecke.

Um das zu ändern, wurde im August 2022 der Verein Oberland Bioweiderind gegründet. Die Initiative dazu ging von Olaf Fries sowie Andrea Brenner und Bernhard Wolf vom Regionalbistro machtSINN aus. Zusammen mit Marina und Albert Stürzer, Landwirte der Initiative Biokalb Oberland und der Ökomodellmanagerin Stefanie Stiller wurde das Konzept ausgearbeitet.

Das Ziel: Alle Biokälber bleiben im Landkreis, werden ausschließlich hier geschlachtet und dann an Kantinen, Gastronomie, Supermäkte und Endverbraucher verkauft. Dazu braucht es eine breite Allianz aus Landwirt:innen, Metzgern, Gastronom:innen, Verbraucher:innen, Kantinen, Einzelhandel und Politik.
Dass der Zeitpunkt für dieses Großprojekt der richtige ist, zeigt das breite Interesse. Zur Gründungsversammlung des Vereins kamen 80 Interessierte aus allen Bereichen. Ein zwölfköpfiger Vorstand wurde gewählt.

Nun geht es darum, alle „Steakholder“ ins Boot zu holen. Ein Bio-Großhändler ist mittlerweile Teil des Teams.

Faire Preise in der „Wertschätzungskette“

Momentan werden Preislisten für Tiere und Produkte erstellt, die allen Beteiligten eine längerfristige Planung ermöglichen. Landwirt:innen und Metzger werden fair und solidarisch bezahlt. Für Gastronomiebetriebe, Kantinen und Verbraucher:innen ergeben sich leistbare Preise, die den Wert der Produkte widerspiegeln.
Anfang 2023 wird eine GmbH gegründet, die für den wirtschaftlichen Teil zuständig ist. Fördergelder und Zuschüsse sind beantragt, zur Finanzierung werden Genussscheine ausgegeben.
Es ist also noch jede Menge zu tun, bis Oberland Bioweiderind unter diesem Label das erste Rind auf- und verkauft. Aber der Anfang ist gemacht.

Kontakt:
Oberland Bioweiderind e.V.
Olaf Fries
Ignaz-Günther-Str. 13
83629 Weyarn
info@oberland-bioweiderind.de

www.oberland-bioweiderind.de



Projektgebiet
Regierungsbezirk: Oberbayern

November 2022

Regierungsbezirk: Oberbayern