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  • Rainer Bühner: Vom Quereinsteiger zum Kaffeesommelier

    So kommt Genuss in die Tasse und Leben ins Kloster

    • 29.04.2019
    • Unterfranken
Wer Bühners Kaffeerösterei in Maria Bildhausen betritt, dem öffnet sich ein Fenster zu einer neuen Welt. Der Geruch von frisch geröstetem Kaffee liegt bereits vor dem Laden in der Luft. Drinnen kommen alle Sinne auf ihre Kosten. Es duftet wohlig und verführerisch, die Kaffeemühle surrt und Rainer Bühner bereitet die ersten Kaffees des Tages zu. Noch während er an der Espressomaschine hantiert, beginnt seine Erzählung. Es scheint beinahe so, als wolle Rainer keine Minute verpassen, sein Kaffeewissen weiterzugeben. Der unwiderstehliche Geruch, so meint er, komme von den über 800 Aromen, die Kaffeebohnen im Augenblick der Röstung freisetzen. Kaffee ist das aromareichste Produkt überhaupt. Die Mischung aus echter Begeisterung und profundem Wissen macht es leicht, Rainer zuzuhören.

Vom Quereinsteiger zum Kaffeesommelier
Rainer Bühner ist eigentlich Handwerker, doch dann erfüllte er sich seinen Lebenstraum von einer Kaffeerösterei. In Rainer Bühners Rösterei "Rhön Kaffee" geht es vor allem um individuelle Beratung und eine gewisse Freiheit. Noch führt er den Laden im Kloster Maria Bildhausen im Nebenerwerb, das würde er gerne ändern.
Rainer Bühners Weg war keineswegs vorbestimmt. Vielmehr waren es zunächst Zufälle und schließlich sein eiserner Wille, Wissbegierde und jede Menge Leidenschaft, die den Mann aus dem kleinen Dorf in der bayerischen Rhön antrieben.
Es begann alles im Jahr 2004. Rainer Bühner arbeitet auf einer Baustelle bei einem älteren Ehepaar, die eine kleine Kaffeeröstmaschine besitzen. Daraufhin Rainer kaufte sich einen eigenen Tischröster und beginnt selbst Kaffee zu rösten. Doch niemand zeigt ihm wie das Rösten geht und worauf es dabei wirklich ankommt; alles eignet er sich selbst an.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee und Mensch ist nicht gleich Mensch
Der gelernte Handwerker ist mit dem "Rhön Kaffee" in der bayerischen Rhön längst eine feste Größe. Neben Bohnen aus aller Welt und unterschiedlichsten Röstverfahren, gehört unter anderem der Bad Neustädter Fairkaffee zu seinen Spezialitäten.
Zwei Jobs gleichzeitig und dann noch die Geduld haben Inklusionsarbeit zu betreiben. Was Rainer Bühner in seiner Heimat leistet, ist großartig.
Er gibt Menschen mit Einschränkungen die Chance, einen geregelten Arbeitsalltag kennenzulernen. "Und manchmal braucht halt ein Mitarbeiter eine Stunde um die Bohnen umzufüllen, an guten Tagen dauert es dann nur fünf Minuten", sagt er und lacht. Sein Gesicht ist freundlich, aber wirkt auch etwas müde. Rainer Bühner ist Handwerker und Inhaber des "Rhön Kaffee" in der bayerischen Rhön.

So kommt Genuss in die Tasse und Leben ins Kloster
"Rhön Kaffee – Bühners Kaffeerösterei", so heißt Rainer Bühners Rösterei, der sich seit Mai 2018 in der alten Klostermetzgerei befindet. In der Rösterei fallen einem gleich zwei Dinge auf: Erstens wie ordentlich es ist und zweitens die gemütliche Wohnzimmeratmosphäre, welche einen sofort umgibt. Für diese sorgt auch die Kaffeeecke vor der Verkaufstheke. An der mit einer Glasscheibe ausgestatteten Theke kann man das Treiben der Angestellten beobachten und in den selbstgebauten Holzregalen werden alle möglichen Sorten Kaffee, Espresso und kleine Kuchen im Glas für die Kundschaft angeboten. "Manche kommen auch einfach vorbei, um sich reinzusetzen und ein bisschen zu reden", sagt Rainer Bühner.

Auf die Röstung kommt es an
Einen Namen gemacht hat er sich mit besonderen Kaffeebohnen: Mild, würzig, säurearm. "Ich mache das, was die Leute sich wünschen. Egal, ob das eine aromatische Bohne aus Brasilien ist oder eine milde Bohne aus Indien", sagt der 56-Jährige. Bei seinen Werken, wie er sie nennt, setzt Bühner auf Frische und Qualität, röstet die Bohnen schonend und verpackt diese hochwertig. So ein Bio-Kaffee aus der domikanischen Jarabacoa kann bei ihm dann mal 6,25 Euro für 250 Gramm kosten. Für ihn sei das auch Ansporn, etwas Besonderes zu machen. "Es ist das Schönste, wenn eine Kundin sich eine spezielle Art von Kaffee wünscht, aber keine Vorstellung hat, welche Bohne es dafür braucht. Und dann kommt sie später nochmal vorbei und schwärmt von dem Geschmack", erzählt der Kaffeespezialist.

Einmal Tüftler - immer Tüftler
Das ist auch einer der Gründe, warum der eigene Laden ein Lebenstraum Bühners war: "Früher war ich immer der Dienstleister im Hintergrund, heute kann ich den Leuten mein Werk übergeben und kriege dafür Dankbarkeit", sagt er. Viele Jahre war der 56-Jährige auf Großbaustellen, hat dort aber gemerkt: "Das war nicht meins, ich wollte mein eigenes Ding machen." Geprägt habe ihn die Arbeit dort aber trotzdem, er habe gelernt, effizient und zugleich kreativ zu sein. Er ist geschickt darin aus einfachen Dingen, praktische Lösungen liefern. So hat er kurzerhand eine Regenrinne umfunktioniert und ein System zum Abrollen seiner Etiketten geschaffen. “Ich habe ein Ablagefach für meine Kleberollen gebraucht und zugleich wollte ich diese aber auch abrollen können. Da kam mir die Idee mit der Regenrinne", so Bühner.

Beherzter Vermittler
Und das hat er durch Ehrgeiz geschafft, und heute hat er eine Stammkundschaft, die mehrmals zum Kaffee und Kuchen im Glas zu ihm kommt. Bekannt sei er auch durch seine Bohnenmischungen und seine italienische Kaffeemaschine. Großen Anteil an der guten Kundschaft sieht der Röster auch in der Lage im Kloster Maria Bildhausen, in die er vor einem Jahr umgezogen ist. Dort hat er heute einen gemütlichen, modern eingerichteten Laden. In der alten Metzgerei sei er kulinarisch schön eingebettet, hier kämen Leute her, die auch mal einen Euro mehr ausgeben. Einen Besuch wert ist nicht nur sein Laden, sondern auch die Menschen hinter der Theke. "Ich hatte nie vor Inklusionsarbeit zu betreiben, aber durch diese Möglichkeit bin ich selbst gewachsen und habe ein besseres Gespür für Menschen bekommen", stellt er fest.

Ein Job zum Anfassen
Beim Verpacken hat er Unterstützung von Menschen mit Hilfe- und Assistenzbedarf. Der erste Job im Dominikus-Ringeisen-Werk bei der die Bewohner eine Bewerbung formuliert haben. Die schätzen die kleine Größe des Betriebs. "Hier sehen sie wirklich alles, von der frischen Kaffeebohne bis zur fertigen Verpackung. Das ist nicht wie in der Gärtnerei, wo man auch mal einen Tag nur Pflanzen gießt", so Bühner.
Zukunftspläne hat Rainer Bühner auch schon. "Zunächst würde ich den Laden gerne in Vollzeit führen, das hat das Konzept verdient", sagt er. "Einen eigenen Laden haben, das macht einfach Spaß, vor allem weil ich merke, dass hier mein Herz schlägt." Niemals hätte er gedacht, dass er sein Leben nochmal so umkrempelt, sagt er und lacht. "Es liegt mir und macht Freude, seine eigenen Kreationen zu entwickeln und dann in die Tat umzusetzen. Bisher sei es nur leider immer ein ziemliches Jonglieren mit der Zeit. Außerdem würde er gerne seinen Kundenstamm erweitern. Er möchte sich mehr vermarkten, vielleicht durch Social Media. Wie beispielsweise eine Bilderreihe von seinem Jubiläum, sagt Rainer. Auch wolle er in den nächsten Jahren öfters einen Stand auf Märkten organisieren.

Er will seine Begeisterung vom Kaffee in seiner Region weiter verbreiten. Beim nächsten Espresso schwingt ein neues Bewusstsein mit. In jeder Tasse Kaffee stecken die Arbeit, die Begeisterung und Leidenschaft vieler, vieler Menschen. Einer davon ist Rainer Bühner.