Forum HeimatUnternehmen 2015 in Pappenheim

Menschen schaffen regionale Werte

Theater spielen im Posterhalterstadl

Theater spielen im Posterhalterstadl
© Verwaltung für ländliche Entwicklung

Was haben eine international bekannte Pianistin aus dem Bayerischen Wald, ein Sonderschulpädagoge aus dem Allgäu und ein Bürgermeister aus dem nördlichen Oberfranken gemeinsam? Sie alle sind „Heimat-Unternehmer“, das heißt Menschen die mit ihrem Wagemut und ihrem Ideenreichtum Neues schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung ihrer Gemeinde und Region leisten. Beispielsweise indem sie einen Konzertsaal in der 2000-Einwohnergemeinde Blaibach bauen, der nicht nur weltweite Anerkennung findet sondern auch einen Entwicklungsschub für die örtliche Gastronomie und Hotellerie auslöst; oder indem sie ein neues Inklusionsmodell für „unbeschulbare Kinder“ entwickeln und bisher sektorale Beratungsleistungen und Institutionen zusammenführen; oder indem sie kreative Wege finden, um mit einem Bevölkerungsrückgang von zehn Prozent in den letzten fünf Jahren umzugehen.

23.10.2015

Regierungsbezirk: Mittelfranken

Die Veranstaltung „Heimat unternehmen – Menschen schaffen regionale Werte“ bot am 22. und 23. Oktober die Möglichkeit solche unternehmerischen Menschen und ihre Projekte kennen zu lernen und sich mit diesen auszutauschen. Die Tagung wurde gemeinsam von der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung und dem Landesverein für Heimatpflege organisiert und fand nach 2014 bereits zum zweiten Mal statt.

Im Zentrum stehen die Menschen

Das Besondere an dem Format: es wurde nicht über die Menschen auf dem Land gesprochen und was diese tun sollten und müssten. In acht Impulsvorträgen stellten die aktiven Menschen vielmehr selbst vor, wovon sie begeistert sind, welche Projekte sie angehen und was sie damit in ihrer Region bewegen. All diese „Heimat-Unternehmer“ zeichnete dabei aus, dass sie mit Leidenschaft ihre Sache voran bringen, Aufbruchstimmung erzeugen und einen Mehrwert für ihr Lebensumfeld schaffen. Ein Beispiel ist der Posthalterstadel, eine Kleinkunstbühne im Rottal, wo unter Leitung von Mia Pöltl und Sebastian Goller jüngst ein gemeinsames Theaterprojekt von Einheimischen und Flüchtlingen inszeniert wurde. „Mitten in Niederbayern“ erzählt die Geschichte von Asylbewerbern in einem kleinen Dorf. Der Clou: Einheimische schlüpfen in die Rolle der Flüchtlinge, Flüchtlinge spielen Einheimische, beispielsweise den Bürgermeister, den Polizisten oder den örtlichen Wirt. Dieser Perspektivenwechsel hilft alte Rollenklischees aufzubrechen und die Situation des jeweils anderen besser kennenzulernen.
Anhand der vorgestellten Projektbeispiele wurde schnell deutlich: kreative Menschen sitzen nicht nur in urbanen Zentren. Sie sind das Potenzial, das auf dem Land genauso existiert, wie in dynamischen Szenevierteln der Städte. Dies verdeutlicht uch die Gründung der Künstlerkolonie Fichtelgebirge e.V. durch Sabine Gollner, einem Verein der neben der Förderung der Kreativwirtschaft auch Themen wie Innenentwicklung oder Tourismus aktiv angeht und damit einen wichtigen Beitrag zur Regionalentwicklung im Fichtelgebirge leistet. Neue Entwicklungsimpulse für ländliche Räume erfordern oft auch kreative Formate, die eingefahrene Blickwinkel ändern. Wie das gelingen kann, zeigte Roland Gruber am Beispiel der ländlichen Gemeinde Bad Kleinkirchheim in Kärnten. Ein Workshop in der örtlichen Saunalandschaft sorgte nicht nur für Aufmerksamkeit sondern, lieferte auch neue Ideen, um den eingeschlafenen Sommertourismus voranzubringen.
Unter musikalischer Begleitung der mittelfränkischen Gruppe „Rohrfrei“ endete der erste Veranstaltungstag in einem geselligen Zusammensein, das die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen, Netzwerken und Erfahrungsaustausch bot. Am zweiten Tag wurde gemeinsam mit den Tagungsteilnehmern und weiteren Gästen diskutiert, wie „Heimat-Unternehmer“ mit ihren Projekten zukünftig noch viel gezielter unterstützt werden könnten. Schnell wurde deutlich: Klassische Planungsprozesse alleine sind dafür nicht ausreichend. Notwendig ist es eine Kultur des „Unternehmerischen“ zu fördern, indem die Ländliche Entwicklung Potenziale sucht und entdeckt, Wertschätzung aufbaut und gezielt Kreativräume für „Heimat-Unternehmer“ schafft.