Mirko Göttfert, Steakschmiede Kreuth

Metzger mit Seelenruhe

Metzger Mirko Göttfert in seinem Schlachthaus

Mirko Göttfert, Steakschmiede Kreuth
© Kathi Rummel

„Diese Ruhe, das ist echt vorbildlich“ – dieses Kompliment freut ihn. Er hört es immer wieder, von den Bauern, die ihre Tiere zum Schlachten bringen. Aber auch neulich von den Kontrolleuren der Regierung von Oberbayern, die um fünf Uhr morgens unangekündigt bei ihm vor der Tür standen, um bei einer Schlachtung dabei zu sein.

Regierungsbezirk: Oberbayern

Das mit der Ruhe war nicht immer so, er kennt auch die andere Seite. Töten im Akkord in einer Fleischfabrik. Mirko hat es einmal hochgerechnet, der normalen Alltag in einem normalen Schlachthaus. 450 Tiere pro Stunde, 24 000 pro Woche, 100 000 im Monat, gut bezahlt. Nach fünfzehn Jahren war Schluss, er konnte nicht mehr.

Und so suchte er sich ein neues Betätigungsfeld. Er hörte von einem kleinen Schlachthaus mit Metzgerei in Kreuth am Tegernsee. Es stand seit Jahren leer, weil sich kein Nachfolger fand. Mitten im Dorf, ein Wirtshaus in der Nachbarschaft, der Kurpark 100 Meter Luftlinie entfernt. So, wie es eben früher war. Der Tod als Teil des Lebens.
Sanierung, Biozertifizierung des Schachthauses. Nur den Metzgereiladen konnte er nicht eröffnen, da kein Personal zu finden war. Also beschloss er, direkt aus dem Schlachthaus aus einer kleinen Theke selbst zu verkaufen und ansonsten die Gastronomie zu beliefern. Auch einen Onlineshop gibt es mittlerweile: www.steakschmiede-kreuth.de

Im März 2020 war Eröffnung, zwei Wochen vor dem Lockdown. Was das heißt, wusste er damals genauso wenig wie viele andere UnternehmerInnen. „Ich kenn bis jetzt keinen normalen Betrieb“, erzählt er in seinem unverkennbarem fränkischen Dialekt, „von Anfang an war Krisenmodus“. Aber er schaffte es trotzdem, auch wenn die Touristen teils fernblieben. Ungefähr die Hälfte seiner Kundschaft sind Einheimische rund um den Tegernsee, die andere Touristen.

Länger als eine halbe Stunde fährt kein Tier zu ihm, das ist zu viel Stress für die Rinder. Im Idealfall werden sie am Strick vom nächsten Hof durch’s Dorf zu ihm geführt. Da kann’s dann schon mal passieren, dass ein Ausflügler wissend meint: „Aahhh, die Kuh darf zum Stier!“ „Naa, zum Metzger!“.

Jetzt schlachtet er also ungefähr fünf Tiere pro Woche. Je nach Auftrag verarbeitet er sie, zu saftigem Almrindschinken, würziger Salami, Kaminwurzn, Bratwürsten oder Burgerpatties. Keine Zusatzstoffe, kein Nitrat, Pökelsalz, Geschmacksverstärker. Fleisch und Gewürze, sonst nichts. Beste Qualität, feinster Geschmack, die Kunden danken es ihm.

Mirko ist es ein Anliegen, das Handwerk des Metzgers zu zeigen. Bei ihm gibt es nichts zu verstecken – wer Fleisch isst, soll wissen, wo es herkommt. Er lädt Schulklassen ein, auch Touristen dürfen zuschauen, wie er arbeitet. Und, immer dabei: Seine sechzehnjährige Tochter Emma. Sie hilft ihm, wo sie kann, macht Würste, häutet bei Bedarf schon mal einen Hirsch zum Weiterverarbeiten, postet Fotos auf Instagram. Die Begeisterung für den Beruf ist auch ihr anzusehen. Mirko freut’s natürlich, sie sind ein gutes Team. Er weiß, dass er auf dem richtigen Weg ist. In aller Seelenruhe.

Steakschmiede Kreuth
Mirko Göttfert
Weissachaustr. 1
83708 Kreuth
Tel: 0160/4833534
info@steakschmiede-kreuth.de
www.steakschmiede-kreuth.de
https://www.instagram.com/steakschmiede_kreuth/

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch 8:00 - 12:00, 14:00-18:00
Donnerstag, Freitag 8:00 - 18:00
Samstag 9:00 - 12:30