Jana Heenen, Gärtnerin

Und dann kam eine und hat‘s einfach gemacht

Jana Heenen, Gärtnerin am Riedlerhof
© Verwaltung für ländliche Entwicklung

„Des werd nix“, sagten die Nachbarn. Auch Anton, der alteingesessene Bauer vom Hof daneben. Im Miesbacher Oberland gibt’s Milchviehwirtschaft, grüne Wiesen, die beweidet werden. Das war schon immer so. Die Landschaft ist geprägt vom Miesbacher Fleckvieh. Im gesamten Landkreis gibt es nur wenige Betriebe, die im Haupterwerb Gemüse anbauen. Der Boden sei nicht geeignet, die Lage zu hoch, das Wetter zu kalt. Davon ließ sich die 34-jährige Jana Heenen nicht abhalten. Sie hat eine Gärtnerlehre absolviert, in einer Gärtnerei im Landkreis gearbeitet und beschloss, es ebenfalls im Oberland zu probieren.


Mit Glück fand Jana durch einen jungen Kollegen eine Fläche von 1ha an einem ehemaligen, stilvoll sanierten Bauernhof in traumhafter Lage, die sie pachten durfte. Es folgte der Antrag beim Landratsamt für die Umbruchgenehmigung. Als Ausgleichsfläche wurde ein Stück Grünland direkt daneben anerkannt, das Jana mit einheimischen Pflanzen aufwertet und als Waldgartensystem anlegt.

Und dann legte sie los, nach drei Monaten Planungszeit und mit einer Förderung der Ökomodellregion. Die grüne Wiese wurde umgegraben, Kompost herangeschafft, Beete sowie ein Folientunnel angelegt. Einen Teil der Pflänzchen zog sie selbst vor, einen Teil bestellte sie, und ab April wurde im Gewächshaus und auch im Freien gepflanzt.

Und dann? Dann wuchs das Gemüse. Und wuchs. Und gedieh. Und Anton, der Nachbar, stand am Feld und freute sich. Er kommt oft vorbei – „zum Kontrollieren“, wie Jana augenzwinkernd sagt. Dann bekommt er eine Gelbe Rübe frisch aus der Erde geschenkt. Und nebenbei kaufen er und die anderen Nachbarn auch fleißig Gemüse ein, es ist ja so praktisch nahe. Brokkoli, Bohnen, Kohlrabi, Zucchini, Gurken, rote und gelbe Bete, verschiedenste Salatsorten. Und: Es gibt auch seltene und besondere Sorten wie z.B. Hirschhornwegerich, Roter Meier, Gemüseampfer.

Weitere Kunden hat sie in der regionalen Lebensmittelsolidargemeinschaft Lavli, außerdem in der gehobenen Gastronomie. Diese Betriebe freuen sich über das regionale Gemüse, nehmen die Sorten, die gerade erntereif sind und passen ihre Speisekarte entsprechend an. Einmal pro Woche bietet sie Ab-Hof-Verkauf an; für Laufkundschaft liegt der Riedlerhof zu abgelegen.

Neben dem Verkauf von Gemüse ist Jana auch ein Bildungsangebot wichtig. Vor kurzem war eine Pfadfindergruppe aus München da, die beim Pflanzen von Beerensträuchern half, sich aber auch umfassend über Gemüseanbau informierte. Erste Führungen finden schon statt, es kommen Familien mit Kindern vorbei, die zum ersten Mal sehen, wo und wie Erbsen, Tomaten und Co. wachsen.

Jetzt geht es noch darum, weitere Vertriebswege zu finden, das Marketing auszubauen und den Waldgarten anzulegen.

Das Wichtigste aber ist geschafft: Das Gemüse wächst, Jana kann ernten und hat schon eine Menge Kunden und Menschen, die großartig finden, was sie hier in kurzer Zeit geschafft und geschaffen hat. Auch wenn es anders ist, als hierzulande üblich.

„Es war ja schon immer so, dass irgendwann jemand eine Entscheidung getroffen hat, etwas anders zu machen als bisher – sonst würde sich nie irgendetwas verändern“, findet Jana. Auch das ist also Tradition und war schon immer so.


Jana Heenen
Riedlerhof 2
83629 Weyarn
0152/ 25814823
jana.heenen@web.de

Regierungsbezirk: Oberbayern